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2020 war wärmstes Jahr in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen

Erstellt am 08.Januar 2021, 16:49 Uhr | Kategorie: News

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich bereits deutlich: Das Jahr 2020 war in Europa nochmals 0,4 Grad wärmer als das Rekordjahr 2019. In der Antarktis werden Arten künftig verschwinden oder verdrängt.

Polarbär
Während es in Europa unter anderem zu Dürren kommt und Wetterphänomene extremer werden, kippt in Arktis und Antarktis voraussichtlich das Ökosystem. (Quelle: AWeith – CC BY-SA 4.0)

Das Jahr 2020 war in Europa das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Weltweit sei 2020 genauso warm gewesen wie das bisherige Rekordjahr 2016, teilte der europäische Copernicus-Klimawandeldienst am Freitag in London mit.

In Europa war das Jahr durchschnittlich 1,6 Grad Celsius wärmer als im 30-jährigen Referenzzeitraum 1981 bis 2010 – und 0,4 Grad wärmer als das bisherige europäische Rekordjahr 2019.

Mehr CO2 in der Atmosphäre

Weltweit lagen die Temperaturen um 0,6 Grad Celsius höher als im Referenzzeitraum 1981 bis 2010. Vergleicht man 2020 mit den Temperaturen des vorindustriellen Zeitalters, war es sogar 1,25 Grad wärmer. In einigen Fällen nutzt der Klimawandeldienst auch Datenreihen bis 1850.

Auch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre stieg dem Bericht zufolge erneut an mit einer Rate von 2,3 ppm/Jahr (Teilchen pro Million). Im Mai 2020 sei mit 413 ppm sogar das Maximum der CO2-Konzentration erreicht worden.

“2020 sticht hervor aufgrund der außergewöhnlichen Hitze in der Arktis und einer Vielzahl an Tropenstürmen im Nordatlantik”, kommentiert der Direktor des Copernicus-Klimawandeldienstes Carlo Buontempo. “Es überrascht nicht, dass das letzte Jahrzehnt das wärmste je aufgezeichnete war und darüber hinaus ist es ein erneutes Warnsignal, dass die ambitionierten Reduzierungsmaßnahmen von Treibhausgasen noch dringender umzusetzen sind, um weitere schlimme Folgen durch den Klimawandel zu verhindern.”

Die Dekade von 2011 bis 2020 war der Auswertung zufolge die wärmste bisher aufgezeichnete. Der Klimawandeldienst erhebt eigene Daten und nutzt weitere Aufzeichnungen von Bodenstationen, Ballons, Flugzeugen und Satelliten, die bis ins Jahr 1950 zurückreichen.

Arktis und Antarktis leiden besonders

Teile der Arktis und Nordsibiriens wiesen im vergangenen Jahr einige der größten jährlichen Temperaturabweichungen vom Durchschnitt auf: Eine große Region verzeichnete Abweichungen von bis zu 3 Grad Celsius für das gesamte Jahr, an einigen Orten war es sogar über 6 Grad wärmer.

Darüber hinaus wurden in dieser Region außergewöhnlich viele Waldbrände festgestellt. Die Feuer polwärts des Polarkreises setzten im Jahr 2020 eine Rekordmenge von 244 Megatonnen CO2 frei – über ein Drittel mehr als der Rekord von 2019. In der zweiten Jahreshälfte lag das arktische Meereis deutlich unter dem Durchschnitt für diese Jahreszeit, im Juli und Oktober wurde die geringste Meereisausdehnung in den jeweiligen Monaten verzeichnet.

Forschungsergebnisse des internationalen Großprojekts “AnT-ERA” zeigen zudem, dass sich durch den Klimawandel auch die Pflanzen- und Tierwelt in der Antarktis in den nächsten Jahrzehnten stark verändern könnte. Mit der Erwärmung der antarktischen Gewässer werden wahrscheinlich Arten aus gemäßigteren Regionen einwandern und die Vielfalt könnte zunächst zunehmen. An extrem tiefe Temperaturen angepasste, heimische Arten dürften hingegen Probleme bekommen oder gar verschwinden. “Wir rechnen damit, dass sich solche Arten in die letzten verbliebenen sehr kalten Bereiche der Antarktis zurückziehen werden”, sagte Projektkoordinator Julian Gutt. “Das heißt auch, dass man diese Regionen wird unter Schutz stellen müssen, um diese Arten zu erhalten.”

Bis zum Ende dieses Jahrhunderts rechnen die Experten zudem mit einer weitgehenden Versauerung der antarktischen Gewässer. “Es steht außer Frage, dass vor allem jene Lebewesen Probleme bekommen, die Kalkschalen bilden.”

10-jährige Rekordfolge

Der Klimawandeldienst der EU (Copernicus Climate Change Service, C3S) erstellt monatlich Berichte über die Lufttemperatur, das Meereis und den Wasserkreislauf. Auch nach ersten Analysen der Weltwetterorganisation WMO vom Dezember dürfte 2020 eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts geworden sein. Genauere Daten will sie im März bekanntgeben.

Für Deutschland war 2020 nach ersten Analysen des Deutschen Wetterdienstes das zweitwärmste Jahr seit Messbeginn 1881. Es handle sich um das zehnte Jahr in Folge, in dem die Temperatur den Durchschnitt übertraf.

Die Generalsekretärin der UN-Klimarahmenkonvention, Patricia Espinosa Cantellano, appellierte am Donnerstag an die Staatengemeinschaft, die Klimaziele trotz der Corona-Krise nicht aus den Augen zu verlieren. 2021 sei ein entscheidendes Jahr für den Klimaschutz. Die Staaten müssten ihre Klima-Bemühungen fortsetzen, forderte Espinosa auf der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe. (dpa / hcz)