Umweltverbände: Palmöl-Diesel verursacht Millionen Tonnen Treibhausgase

Palmenplantage
Palmen, wo früher Wald stand: Der Begriff “Biokraftstoff” führt in die Irre. (Quelle: IMAGO / YAY Images)

Aus Feldfrüchten gewonnene Agrokraftstoffe (“Biokraftstoffe”) helfen nicht bei der Bekämpfung des Klimawandels, sondern haben sogar eine deutlich schlechtere Klimabilanz als fossile Brennstoffe. Besonders schädlich sei Palmöl, so das Fazit einer Analyse im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Palmöl und andere anbaubare Kraftstoffe wie Raps- und Sojaöl kommen hierzulande als Beimischung von Diesel zum Einsatz, um fossiles Öl einzusparen.

Die EU hat wegen der katastrophalen Folgen des Palmölanbaus einen Förderstopp für Agrodiesel auf Palmölbasis ab spätestens 2030 festgelegt. Um die EU-Vorgaben umzusetzen, plant die Bundesregierung derzeit, die Beimischung ab dem Jahr 2026 zu untersagen. Nach Berechnungen des DUH würde die Weiternutzung bis dahin 5,8 Millionen Tonnen Treibhausgase emittieren. Schon bis heute hätten die hierzulande eingesetzten Agrokraftstoffe 7,1 Millionen Tonnen Treibhausgase verursacht. Die DUH fordert in der Analyse deshalb ein Ende der Beimischung von Palmöl im Diesel bis spätestens 2022 ohne Ersatz durch andere Agrokraftstoffe.

Schädlicher als fossile Brennstoffe

Der Anbau der Agrokraftstoffe stehe in Konkurrenz zum Anbau von Lebensmitteln, weil die Flächen dann nicht mehr für diesen zur Verfügung stehen. Auch würden kohlenstoff- und artenreiche Lebensräume wie Tropenwälder in Ackerland umgewandelt. Agrokraftstoff verursache im Schnitt deutlich mehr Treibhausgase als fossile Kraftstoffe. Die Emissionen seien bei Agrokraftstoffen aus Palmöl bis zu drei-mal höher als bei fossilem Kraftstoff und bei Sojadiesel etwa doppelt so hoch.

Die DUH rechnet vor: Seitdem in Deutschland Palmöldiesel verkauft wird, seien hierfür 85.457 Hektar Wald und Moor vernichtet und in Ölpalm-Plantagen umgewandelt worden. Das entspricht in etwa der Fläche von Berlin. Den größten Schaden verursacht Deutschland mit diesem Vorgehen in Indonesien: Denn 93 Prozent des hierzulande für Agrodiesel verwendeten Palmöls stammten 2019 von dort. In den Tropenwäldern Indonesiens leben Millionen Tier- und Pflanzenarten.

Dazu sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: “Agrokraftstoffe sind nur eine Scheinlösung und sollen das Leben von Verbrennungsmotoren verlängern. Durch die unnötig lange Förderung von Palmöl im Tank bis 2026 und den Ersatz durch andere ebenfalls klimaschädliche Anbaukraftstoffe würden so viele CO2-Äquivalente ausgestoßen wie von mehr als 516.000 Bundesbürgerinnen und –bürgern im Jahr.”

Palmöl muss früher verschwinden

Am Mittwoch berät der Bundestag über die Umsetzung der Erneuerbaren Energien Richtlinie (RED II) der EU in nationales Recht. Das Gesetz für die Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote soll den Weg dafür ebnen, dass sich der Anteil erneuerbarer Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Transport bis zum Jahr 2030 erhöht. Auch der Ausstieg aus Palmöldiesel wird im Gesetz geregelt. Allerdings ist dieser erst für das Jahr 2026 vorgesehen – und ebenfalls schädliche Agrokraftstoffe aus Rohstoffen wie Soja, Raps und Zuckerrohr sollen weiterhin gefördert werden.

In einem offenen Brief an den Bundestag fordert die DUH daher gemeinsam mit weiteren Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, WWF und NABU, den Gesetzentwurf nachzubessern und stärker auf den Klimaschutz auszurichten. Die Vereinigungen sehen “erhebliche Schwächen” in dem Entwurf in Bezug auf den Verkehrssektor und fordern einen “schnellstmöglichen Ausstieg für alle Kraftstoffe aus Anbaubiomasse”. Die Förderung von Palmöl- und Sojadiesel sollte aus Sicht der Verbände schon 2021 beendet werden, da diese Treibstoffe “besonders verheerende Konsequenzen für Natur und Klima” hätten.

“Der Bundestag muss den aktuellen Gesetzesentwurf für die Erneuerbare Energie Richtlinie dringend nachbessern. […] Die klima- und umweltschädliche Beimischung von Palmöl im Tank muss jetzt sofort aufhören. Lebensmittel haben im Tank nichts verloren”, fordert Müller-Kraenner.

Biokraftstoffe und synthetisch hergestellte sogenannte E-Fuels bezeichnen die Verbände als “Scheinlösung”. Andere Länder sind Deutschland bei dem Förderstopp voraus: Frankreich hat die Förderung bereits eingestellt; Österreich, Dänemark, Portugal und Italien werden laut DUH “zeitnah” aussteigen. (hcz)