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Apple entschuldigt sich für abgehörte Siri-Gespräche

Erstellt am 29.August 2019, 17:00 Uhr | Kategorie: News

Apple will Nutzer von nun an fragen, ob ihre Siri-Aufnahmen von Mitarbeitern ausgewertet werden dürfen. Gleichzeitig wurden mehrere Hundert Zeitarbeiter entlassen.

Siri
Apple lässt Siri-Aufnahmen nur noch nach Einwilligung des Nutzers abhören. Quelle: Apple

“Dafür möchten wir uns entschuldigen.” – Apple hat in einer offiziellen Stellungnahme Fehler in Bezug auf die Auswertung von Siri-Aufnahmen eingeräumt. Man sei den eigenen “hohen Maßstäben” nicht vollständig gerecht geworden. Dennoch werde das Grading genannte Verfahren im Herbst wieder aufgenommen, bei dem Menschen Aufnahmen des Sprachassistenten anhören.

Anfang August wurde bekannt, dass Apple Aufnahmen, die vom Sprachassistenten Siri stammten, von Menschen abhören ließ. Problematisch wurde die Tatsache vor allem dadurch, dass auch Auftragnehmer außerhalb von Apple an der Auswertung teilnahmen – und die Mitschnitte teils außerhalb von geschützten Geschäftsräumen anhörten. Mitarbeiter berichteten von mitgeschnittenen Straftaten oder Arztberatungen. Die Nutzerinnen und Nutzer hatten darauf keinen Einfluss. Nachdem diese Praxis bekannt wurde, stellte Apple die Auswertung vorerst ein.

Der Kunde darf wieder entscheiden

Im Herbst soll die Analyse durch Menschen aber wieder starten: unter anderen Regeln zum Schutz der Privatsphäre. Auftragnehmer sollen keine Aufnahmen mehr erhalten. Stattdessen werden dies nur noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen, die bei Apple direkt angestellt sind. Zusätzlich sollen weiterhin maschinell erstellte Abschriften dabei helfen, Siri zu verbessern. Wie und ob das die menschliche Arbeit ersetzen soll, hat die Firma nicht näher erklärt. Eigentlich geht es bei der Auswertung durch Menschen gerade um Aufnahmen, die der Computer nicht versteht.

Die Transkripte werden weiterhin bis zu sechs Monate lang gespeichert und mit einer zufälligen ID verknüpft. Der Nutzer kann dies nur verhindern, indem er den Sprachassistenten und die Diktierfunktion deaktiviert. Auf dem iPhone und iPad findet man die Option in den Einstellungen unter “Siri & Suchen”. Dort deaktivieren Sie die Schalter “Für Siri Home-Taste drücken” und “Auf Hey Siri achten”. Die Option zur Sprachsteuerung finden Sie in den Einstellungen unter
“Allgemein / Bedienungshilfen / Hometaste bzw. Seitentaste”. Dort stellen Sie “Zum Sprechen gedrückt halten” auf “Aus”.

Als weitere Maßnahme möchte Apple den Nutzerinnen und Nutzern künftig die Entscheidung überlassen, ob sie an dem Programm zur Verbesserung von Siri teilnehmen und ihre Daten zur Verfügung stellen. Die Option soll mit der kommen iOS-Version im Herbst geliefert werden. Es handelt sich um ein sogenanntes Opt-in-Verfahren: Die Option ist standardmäßig deaktiviert und der Nutzer muss aktiv zustimmen, damit die Daten freigegegeben werden. Die Entscheidung kann man jederzeit revidieren.

Kündigungen als Konsequenz

Da Apple die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern zur Siri-Auswertung einstellt, fallen mehrere Hundert Arbeitsplätze dort weg, wie der britische Guardian berichtet. Alleine im irischen Cork seien mehr als 300 Mitarbeiter entlassen worden. Ihnen sei gesagt worden, dass aufgrund von “technischen Fehlern” für sie keine Arbeit mehr bestehe.

Einige der ehemaligen Angestellten äußerten sich anonym gegenüber der Zeitung und erklärten, sie seien “erleichtert, dass der Fall publik wurde”. Es hätten ständig Diskussionen über Ethik zwischen den Mitarbeitern stattgefunden, doch niemand habe gewusst, wie man die Probleme tatsächlich zur Sprache bringt.

Ein anderer Angestellter äußerte sich gegenüber der Zeitung folgendermaßen: “Apple stellt in Irland über Vermittlerfirmen ein, übernimmt keinerlei Verantwortung über die Einstellung von Auftragnehmern oder deren Behandlung bei der Arbeit. Sie tun, was sie wollen und wenn sie mit ihrem Projekt fertig sind oder es vermasseln – wie das gerade passiert ist – fordern sie ihre Partnerfirmen auf, die Angestellten zu entlassen. Wie konnten sie das nicht kommen sehen? Haben sie überhaupt darüber nachgedacht, ihre Mitarbeiter zu schützen? Oder nur ihren Ruf?” Die Arbeiter hätten erst eine Woche vor ihrer Entlassung von selbiger erfahren. (hcz)