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Reporter ohne Grenzen: Fast 400 Journalisten weltweit im Gefängnis

Erstellt am 17.Dezember 2019, 17:00 Uhr | Kategorie: News

Weltweit sind in diesem Jahr bereits 49 Journalisten getötet worden, 389 sitzen aufgrund ihrer Arbeit im Gefängnis. Das berichtet Reporter ohne Grenzen in seiner Jahresbilanz zur Pressefreiheit. Die Arbeit in einigen Ländern, in denen Frieden herrscht, ist mittlerweile so gefährlich wie in Krisengebieten.

Weltkarte der Pressefreiheit
Die Weltkarte der Pressefreiheit. Quelle: Reporter ohne Grenzen

Fast die Hälfte aller inhaftierten Journalistinnen und Journalisten (186 von 389) sitzt in den Gefängnissen von nur drei Ländern ein: China, Ägypten und Saudi-Arabien. Ein Drittel befindet sich in China in Haft, berichtet Reporter ohne Grenzen (ROG) in seiner aktuellen Jahresbilanz zur Pressefreiheit 2019.

Von den 49 getöteten Journalistinnen und Journalisten wurden 31 gezielt aufgrund ihrer Arbeit umgebracht. Die restlichen kamen während ihrer Arbeit ums Leben, etwa in Kriegsgebieten. Die Zahlen sind damit niedriger als in den vergangenen zehn Jahren. Das liegt laut ROG vor allem daran, dass weniger Journalistinnen und Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten ums Leben kommen. Beispielsweise, weil einheimische Journalisten aufgrund von Bedrohungen flüchten oder den Beruf wechseln. Auch hielten sich weniger ausländische Journalisten in Krisengebieten auf.

Einige Länder, in denen formal Frieden herrscht, sind für Journalisten inzwischen genauso gefährlich wie Kriegsgebiete: In Mexiko starben 10 Medienschaffende – genauso viele wie im Bürgerkriegsland Syrien. Die beiden Länder sind somit die gefährlichsten für Journalisten.

Während die Zahl der getöteten Reporter in anderen Krisenregionen wie Afghanistan (5), Pakistan (4) und Somalia (3) zurückging, wurden in Lateinamerika im Jahr 2019 insgesamt 14 Medienschaffende getötet. Die Region bleibt damit unverändert gefährlich, so ROG. Zudem werde die Zahl dem Ernst der Lage nicht gerecht: Acht weitere Medienschaffende wurden in Lateinamerika getötet. In diesen Fällen ist aber noch nicht abschließend gesichert, dass die Morde mit der journalistischen Tätigkeit der Betroffenen zusammenhängen. Insgesamt sei die Mehrheit der weltweiten Todesfälle bisher nicht aufgeklärt, schreibt ROG.

Nicht nur Kriegs- und Krisengebiete sind eine Gefahr, sondern auch die organisierte Kriminalität. Gerade Medienschaffende, die investigativ in diesem Milieu recherchieren, werden Opfer von Mordanschlägen.

Fast 400 inhaftierte Journalisten

Die Zahl der inhaftierten Medienschaffenden stieg weiter an: 389 waren Anfang Dezember 2019 wegen ihrer Tätigkeit inhaftiert, 12 Prozent mehr als zum gleichen Stichtag im Vorjahr. 235 der Inhaftierten sind professionelle Journalisten, 137 Bürgerjournalisten sowie 17 Medienmitarbeiter wie Kamerapersonal. Die Statistik umfasst jedoch keine willkürlichen Festnahmen, die Stunden, Tage oder Wochen andauern. ROG vermutet, dass auch die willkürlichen Festnahmen aufgrund anhaltender Proteste, beispielsweise in Algerien und Hongkong, gestiegen sind.

Die meisten Medienschaffenden sitzen in China im Gefängnis: ganze 120. Die Zahl hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Mehr als 40 Prozent davon sind Bürgerjournalisten, die trotz Zensur versucht haben, Informationen über soziale Netzwerke zu verbreiten. Ein Großteil zählt zu der muslimischen Minderheit der Uiguren.

Repressalien nach Entlassung

Auch in Ägypten (34), Saudi-Arabien (32), Syrien (26), der Türkei und in Vietnam (je 25) sitzen viele Journalisten wegen ihres Berufes hinter Gittern. ROG geht zudem davon aus, dass es in Syrien eine hohe Dunkelziffer gibt.

In Ägypten und Saudi-Arabien sind die meisten der inhaftierten Medienschaffenden ohne Urteil oder Anklage im Gefängnis, heißt es in dem Bericht. Komme es zu Prozessen, liefen diese häufig sehr unfair ab und resultierten in langen Haftstrafen. Nach Freilassungen komme es oft zu Repressalien. So muss sich etwa ein ägyptischer Fotojournalist nach seiner Freilassung für die nächsten fünf Jahre jeweils über Nacht in einer Polizeiwache aufhalten.

Kein Lebenszeichen von Entführten

Weltweit gelten aktuell 57 Medienschaffende als entführt – die meisten davon in Syrien. Von ihnen gibt es laut ROG in den meisten Fällen kein Lebenszeichen. Neben Syrien konzentrieren sich die Entführungsfälle auf Jemen, Irak, und die Separatistengebiete in der Ostukraine.

Reporter ohne Grenzen verifiziert Fälle

ROG legt seine “Jahresbilanz zur Pressefreiheit” seit 1995 vor. Die Zahlen beziehen sich stets auf den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 1. Dezember eines Jahres. ROG zählt nur Fälle, bei denen die Organisation verifizieren konnte, dass diese mit der journalistischen Tätigkeit der Opfer zusammenhängen. In die Statistik gehen neben professionellen Journalisten auch Bürgerjournalisten sowie Mitarbeiter wie Kamera- oder Tontechniker ein. (js)