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Test: Vier smarte Heizungsthermostate ohne Cloud - Einzeltests

Erstellt am 09.Januar 2020, 17:00 Uhr | Kategorie: News

AVM Fritz!DECT 301

AVM Fritz!DECT 301
AVM FritzDect 301: Wer bereits eine Fritz!Box zu Hause stehen hat, braucht keine weitere Smart-Home-Zentrale.

Pro
+ leiser Motor
+ einfache Bedienung
+ günstig

Con
- lange Reaktionszeit
- volle Steuerung nur via Browser
- kaum Zubehör

Preis: 45 Euro

Der AVM Fritz!DECT 301 funktioniert nur in Kombination mit einem Fritz!Box-Router. Die Anschaffung lohnt sich also nur, wenn dieser schon vorhanden ist. Eine weitere Smart-Home-Zentrale ist dafür nicht nötig.

Router und Thermostat kommunizieren per DECT – genauer: DECT ULE (Ultra Low Energy); also mit einer ähnlichen Technik wie schnurlose Festnetztelefone. Falls das DECT-Netz des Routers nicht in jede Ecke des Haushalts reicht, bietet AVM den DECT Repeater 100 für rund 70 Euro an. Er wird aber in den wenigsten Haushalten von Nöten sein.

Die Ersteinrichtung des Thermostats ist denkbar einfach und es liegt ein leicht zu befolgendes Anleitungsheftchen bei. Auf alle nötigen Schritte weist aber auch das Display des Thermostats hin. Man muss nicht viel mehr machen, als das Thermostat anzuschrauben und am Router die DECT-Taste zu drücken. Der Verbindungsaufbau funktionierte im Test beim ersten Versuch. Anschließend kalibriert sich dasThermostat automatisch.

Der Stellmotor verhält sich angenehm leise. Man vernimmt ihn nur aus allernächster Nähe. Damit eignet sich das Thermostat auch für das Schlafzimmer. Als Bildschirm hat AVM ein E-Ink-Display eingebaut, wie man es von E-Book-Readern kennt. Der Vorteil ist, dass es nur Strom verbraucht, wenn sich die Anzeige ändert. Es ist klar abzulesen, hat aber keine Beleuchtung.

Zum Steuern des DECT 301 hat man drei Optionen: Die Tasten am Gerät, die Smartphone-App oder die Bedienoberfläche der Fritz!Box, die man im Browser aufruft. Die Tasten machen das Thermostat zwar nicht allzu hübsch, es ist aber leichter und eingängiger zu bedienen als die Konkurrenten. Die Menüs sind übersichtlich und die Funktionen der Tasten eindeutig. Temperaturpläne kann man so aber nicht erstellen, sondern nur die Temperatur temporär erhöhen oder ein offenes Fenster melden.

Ähnliches gilt für die Android- und iOS-App: Einzige Funktion ist die manuelle Einstellung der Temperatur. Tagespläne oder irgendwelche anderen Einstellungen gibt es dort nicht. Das wirkt unzeitgemäß.

Bedienoberfläche DECT 301
Die meisten Funktionen des Fritz!DECT 301 kann man nur über die Web-Oberfläche der Fritz!Box steuern.

Alle Optionen findet man nur in der Web-Oberfläche der Fritz!Box, die man über einen beliebigen Browser erreicht, indem man die Adresse Fritz.box oder die lokale IP-Adresse des Routers ansteuert. Unter dem Menüpunkt Heimnetz findet sich das Smart-Home-Zubehör und auch der DECT 301.

Unter anderem lässt sich hier der Temperaturplan für die ganze Woche oder einzelne Tage justieren. Das geht dank der grafischen Oberfläche recht intuitiv: Per Maus zieht man die Wunschtemperatur über die Uhrzeiten. Verschiedene Wochenpläne lassen sich abspeichern und verschiedenen Geräten oder Zimmern zuordnen. Aus Stromspargründen kann es bis zu 15 Minuten dauern, bis die Fritz!Box die neuen Befehle an das Thermostat sendet und dieses sie anwendet. Die automatische Fenster-auf-Erkennung funktionierte im Test selten und man musste das Thermostat manuell umstellen.

Mit der Fritz!Box lässt sich vergleichsweise einfach ein VPN einrichten; darüber kann man die Thermostate auch per Fernzugriff steuern.

eQ-3 Eqiva

eQ-3 Eqiva
eQ-3 Eqiva: Mit einem Preis von 20 Euro ist es selbst eine Alternative zu mechanischen Thermostaten.

Pro
+ preiswert
+ einfache Einrichtung
+ keine Bridge nötig

Con
- keine Smart-Home-Integration
- grausame Bedienung am Gerät
- wenige Funktionen

Preis: 20 Euro

Das Eqiva ist der Underdog im Test: Es ist mit 20 Euro das preiswerteste Gerät. Denn statt per DECT, WLAN oder ähnlichem im heimischen Netz eingebunden zu sein, funkt es nur via Bluetooth. Es verbindet sich also nur direkt mit dem Smartphone oder Tablet und nicht mit einer Smart-Home-Zentrale oder anderen Smart-Home-Geräten. Somit ist Eqiva nicht die erste Wahl, wenn man sein gesamtes Heim “versmarten” will. Möchte man aber nur vereinzelte Heizkörper automatisieren, ist auch der Eqiva dafür geeignet. Das Thermostat lässt sich auch an Orten wie der Gartenlaube einsetzen, wo es keine Infrastruktur gibt wie WLAN oder Steckdosen gibt.

Als smart kann man Eqiva dennoch bezeichnen, denn mithilfe der App – oder etwas umständlicher über die Tasten – lassen sich automatische Temperaturpläne für Tage und Wochen festlegen. Auch eine Fenster-auf-Erkennung ist an Bord und funktioniert halbwegs zuverlässig.

Bedienoberfläche Eqiva
Den Zeitplan des Eqiva per App zu programmieren ist deutlich komfortabler als direkt am Gerät.

Die Steuerungs-App "calor BT” für Android und iOS ist minimalistisch aufgebaut und bietet nur Basisfunktionen: Die Temperatur lässt sich manuell oder für den Automatikmodus festlegen. Dabei stellt die App den Temperaturverlauf für jeden Tag als Grafik dar. Das wirkt technisch und funktional, aber nicht gerade schön.

Unnötig umständlich: Möchte man eine pauschale Einstellung für mehrere Tage oder gar die ganze Woche vornehmen, muss man jeden einzelnen Tag konfigurieren. Deswegen ist Eqiva eher für Nutzer geeignet, die ihre Programmierung selten ändern und nicht viel experimentieren. Außerdem sind nicht mehr als drei unterschiedliche Temperaturphasen pro Tag möglich. Auch die Firmware des Thermostats kann man mithilfe der App aktualisieren. Die Verbindung per Bluetooth scheint dabei instabil: Erst nachdem zum fünften Mal die Verbindung zum Thermostat abgebrochen war, gelang es uns, das Update aufzuspielen.

Die Bedienung des Thermostats über die Knöpfe und das angebrachte Drehrad ist ein Graus, da viele Einstellungen unverständlich abgekürzt werden und das Gerät an einigen Stellen nur verzögert reagiert. Zumindest das Ändern der Wunschtemperatur geht auch ohne App einigermaßen unkompliziert von der Hand.

Das Eqiva gibt es für gute 10 Euro auch ohne Bluetooth, womit es preislich sogar auf dem Niveau von unsmarten, mechanischen Thermostaten liegt.

Elgato Eve Thermo

Elgato Eve Thermo
Elgato Eve Thermo: Besonders schick und schlicht, aber nur per iPhone oder iPad zu steuern.

Pro
+ einfachste Einrichtung
+ Integration in HomeKit und Siri
+ schick

Con
- nur für iOS
- lauter Motor
- Bluetooth beschränkt Reichweite

Preis: 70 Euro

Auch Eve Thermo verbindet sich per Bluetooth mit dem Smartphone oder der Smart-Home-Zentrale. Der Funktionsumfang geht aber deutlich über den des ebenfalls per Bluetooth-verbundenen Eqiva hinaus und entspricht dem der anderen Konkurrenten. Vorteil der Bluetooth-Verbindung ist, dass nicht unbedingt eine Smart-Home-Zentrale nötig ist und man das Thermostat auch direkt mit dem Smartphone steuern kann.

Der Nachteil ist die geringere Reichweite. Wie weit die Verbindung reicht, kommt auf die Wohnung oder das Haus an – mehr als eine Wand oder Decke zwischen Smartphone und Thermostat werden problematisch. Für mehr Reichweite bietet Elgato den Eve Extend an: Für 50 Euro verwaltet der Repeater bis zu acht Thermostate.

Die Eve-App gibt es nur für iOS – also für iPhone und iPad. Wie bei allen HomeKit-kompatiblen Geräten muss man zur Einrichtung nur den beiliegenden QR-Code mit der Kamera abfilmen. Das Eve Thermo taucht dann auch in der Apple-eigenen HomeKit-App auf und kann alternativ von dort aus gesteuert werden.

Bedienoberfläche des Eve Thermo
Die etwas überladene Steuerungs-App des Eve Thermo kann zuerst überfordern, stellt sich im Test aber als durchdacht und komfortabel heraus.

Temperaturverläufe kann man in der App von Eve oder in HomeKit einstellen. Anfangs können die Grafiken und vielen Optionen verwirren. Temperaturkurven lassen sich für einzelne oder mehrere Wochentage festlegen. Nervig: Während man die Temperatur einstellt, werden kurzzeitig die Uhrzeiten ausgeblendet und die präzise Konfiguration wird zum Trial-and-Error-Spielchen.

Praktisch sind die vorgeschlagenen Zeitpläne für Zimmer wie Bad oder Keller, die man nur noch in Details dem eigenen Tagesverlauf anpassen muss. Erlaubt man der Eve-App auf den eigenen iOS-Kalender zuzugreifen, heizt das Thermostat an Urlaubstagen automatisch nach Wochenendmuster. Ansonsten bietet die App die üblichen Optionen wie Urlaubsmodus und Fenster-auf-Erkennung.

Am Thermostat hat man weniger Steuerungsmöglichkeiten als bei den anderen Testkandidaten: Zwei Pfeile markieren die berührungsempfindlichen Sensorflächen, mit denen man die Zieltemperatur um 0,5 Grad erhöht oder senkt. Weitere Bedienelemente gibt es nicht. Auch die Anzeige ist minimalistisch gehalten und zeigt nur die Zieltemperatur in großen, weiß leuchtenden Zahlen. Mit seinem reduzierten Design fügt sich das Gerät nahtlos in die Apple-Welt ein und setzt sich positiv von den funktional gestalteten Konkurrenten ab.

Unser Testgerät stammt aus der dritten Generation des Eve Thermo und leider sind die Versionen äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden. Wichtigster Vorteil der aktuellen Variante soll der leisere Motor sein. Dennoch gehörte der Eve-Themostat zu den lauteren Kandidaten und das leichte Surren war sogar aus ein paar Metern Entfernung zu hören.

eQ-3 Homematic IP

eQ-3 Homematic IP
eQ-3 Homematic IP: Kein anderes System bietet so viele Anpassungsmöglichkeiten und Bastelpotenzial.

Pro
+ viel Zubehör
+ komplett individualisierbar
+ offene Schnittstelle (API)

Con
- Einarbeitung nötig
- hoher Einstiegspreis
- keine Hersteller-App

Preis: 50 Euro (+150 Euro für CCU3)

Das Thermostat aus der Homematic-IP-Reihe setzt sich aus dem Testfeld ab durch seinen großen Funktionsumfang, die vielen Konfigurationsmöglichkeiten und die erhältliche Menge an Zubehör. Der Hersteller eQ-3 bietet ein offenes System an, dass dank offener Programmierschnittstellen (API) besonders beliebt ist bei Smart-Home-Enthusiasten und Technik-Nerds, die das Smart Home als Hobby betreiben. Dafür liegt die Einstiegshürde beim “Homematic IP Heizkörperthermostat” höher als bei den anderen Systemen. Die vielen Konfigurationsmöglichkeiten können überfordern – oder begeistern.

Zum Cloud-losen Betrieb muss man sich außerdem die Smart-Home-Zentrale Homematic IP CCU3 für 150 Euro zulegen. Das lohnt sich preislich nur, wenn man ein größeres Homematic-System mit weiteren Smart-Home-Geräten aufbauen möchte. Vorsicht beim Kauf: CCU3 und der Cloud-basierte “Access Point” sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Wer sich per VPN von außen mit dem Heimnetz verbindet, kann die CCU3 sogar fernsteuern. Das erfordert aber etwas Vorbereitung und Einarbeitung.

Die CCU3 wird mit dem heimischen Router verbunden und kann nur übers Web-Interface gesteuert werden, mithilfe eines Browsers oder Drittanbieter-Apps. Die Bedienoberfläche ist funktional gehalten und wirkt wenig einladend. Einstellungen sind mit überlangen Erklärtexten versehen, die aber an vielen Stellen nötig und hilfreich sind. Denn kein anderes System im Test gibt dem Nutzer so viele Wahlmöglichkeiten und technisch tiefgreifende Einstellungen.

Bedienoberfläche Homematic IP
Schnöder als die Bedienoberfläche der CCU3 geht es kaum. Doch macht ihr Funktionsreichtum diese Schwäche wett.

Hängt die CCU3 am Router, kommt man auf ihre Bedienoberfläche, indem man “ccu3-webui” in die Adresszeile eines beliebigen Browsers eingibt. Funktioniert das nicht, muss man in die Web-Oberfläche des Routers, um die IP-Adresse der CCU3 herauszufinden. Diese gibt man dann in die Adressleiste des Browsers ein und man kann mit der Einrichtung beginnen. Für diese Schritte muss man nicht Informatik studiert haben, doch sind sie deutlich aufwendiger als bei der Einrichtung der anderen Thermostate.

Nachdem man ein Passwort für den Zugang zur CCU3 festgelegt hat, muss man sich für eine Express-Einrichtung oder “volle Einstellungen” entscheiden. Für den Einstieg ist erstere Option empfohlen. Mit allem anderen kann man sich befassen, wenn man Bastellust verspürt.

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